Sozialkaufhaus contact

Preisträger Zukunftspreis 2015

Als Roswitha Kugelmann den „contact in Augsburg e.V.“ am 02.12.1999 mit 10 weiteren Mitgliedern gründete, hatte wahrscheinlich keiner damit gerechnet, dass einmal 60 festangestellte und bis zu 60 ehrenamtliche Helfer in einem der größten Sozialkaufhäuser Bayerns tätig sein werden und täglich bis zu 6 Tonnen Waren angenommen und weitergegeben werden.

Der Verein hat als Ziel die Unterstützung von Menschen, denen es gerade nicht so gut geht. Auch haben Aktivitäten zur Suchtprävention und Zusammenarbeit mit Gruppen, die soziale und ökologische Ziele verfolgen, einen hohen Stellenwert. Die Umwelt wird vor allem durch die Wiederverwertung von Möbeln, Kleidung oder Hausrat geschont. BürgerInnen und regionale Unternehmen spenden diese Gegenstände an contact, die der Verein dann größtenteils an Bedürftige verkauft. Aber auch alle anderen Personen dürfen bei contact für kleine Preise einkaufen. Hierdurch wird der Müllberg deutlich reduziert, da Waren, die sonst auf dem Müll landen würden, wieder verwertet werden.

Außerdem fördert der Verein durch Festanstellungen benachteiligte Menschen. Die Beschäftigten sind meistens aufgrund von mangelnder Ausbildung und verschiedenen Problemen chancenlos auf dem ersten Arbeitsmarkt. Contact gibt diesen Personen eine Möglichkeit zu arbeiten und so das eigene Leben zu meistern. Ca. 20% der Angestellten sind Menschen mit Behinderung. Deren Inklusion funktioniert problemlos. Aus diesem Grund bekam der Verein im Mai 2015 die Auszeichnung „Behindertenfreundlicher Augsburger Arbeitgeber“ vom Behindertenbeirat der Stadt Augsburg verliehen.

Der Verein fördert die Kommunikation zwischen verschiedenen Nationen durch die gemeinsame Tätigkeit und Gesprächen neben der Arbeit. Das Sozialkaufhaus ist für alle Personen offen – so verschwimmen die Grenzen zwischen Bedürftigen und nicht Bedürftigen, zwischen ausländischen Mitbürgern und Einheimischen.

Begründung der Jury Zukunftspreis
Als im Jahre 1999 eine mutige Frau mit zehn weiteren Mitgliedern einen Verein gründeten, mit dem Zweck Menschen in schwierigen Lebenslagen selbstlos zu unterstützen, unabhängig ihrer Nationalität oder sozialer Herkunft, hatten sie sich wohl nicht vorstellen können, was für ein Erfolg diese Idee sein würde. Dass aus einem kleinen Laden ein großes Sozialkaufhaus in Augsburg entstanden ist, ist all den Menschen zu verdanken, die hier im Team von derzeit über 90 aktiven Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammenarbeiten, davon sind 60 Menschen fest angestellt. Gemeinsames Ziel ist die Erhaltung des Kaufhauses und somit die Sicherung des eigenen Arbeitsplatzes und der eigenen Zukunft. Die ökologische Zukunftsfähigkeit besteht darin, durch die Annahme von Möbeln, Kleidung, Hausrat, Büchern und vielem mehr wichtige Ressourcen zu schonen und den Müllberg nicht zu vergrößern. All die eingehenden Waren werden zu einem möglichst niedrigen Preis weiterverkauft. Derzeit werden täglich ca. 6 Tonnen angenommen und wieder weitergegeben. Die ökonomische Zukunftsfähigkeit besteht in der sozialverantwortlichen Wirtschaftsweise und dem bewussten Konsumieren, sozial- und umweltverträglich. Das Kaufhaus finanziert sich durch die Erlöse komplett selbst und damit auch für die Erfüllung seiner sozialen Aufgaben. Die soziale und kulturelle Zukunftsfähigkeit besteht darin, dass neben der Arbeit auch Zeit für Gespräche ist. Kostenlose Deutschkurse werden auch angeboten. Die Beschäftigten haben meistens wenige Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt. Durch die familienähnliche Struktur innerhalb des Betriebes wird ihnen geholfen, das eigene Leben zu meistern. Ein hoher Prozentsatz der Beschäftigten ist behindert, Inklusion funktioniert dabei problemlos. Zusammenfassend kann man sagen, das Sozialkaufhaus „contact“ in Augsburg e.V. hat eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung und ist zukunftsfähig.

Themen: Arbeit, Inklusion, Kleidung, Recycling, Wirtschaft

Sozialkaufhaus contact

Ansprechpartner

contact in Augsburg e.V.

Im Tal 8
86179 Augsburg
Tel.: 0821/8156615
E-Mail: mail@contact-in-augsburg.de

www.contact-in-augsburg.de

Beitrag zu den Zielen der Zukunftsleitlinien

A. Ökologische Zukunftsfähigkeit » Ressourcen schonen (A2) » Ziel 4: Müll vermeiden – Restmüllaufkommen senken

B. Ökonomische Zukunftsfähigkeit » Sozialverantwortliche Wirtschaftsweise fördern (B2) » Ziel 2: Frauen- und familienorientiert Personal führen

B. Ökonomische Zukunftsfähigkeit » Bewusst konsumieren (B4) » Ziel 1: Die Lebensdauer von Konsumgütern erhöhen

C. Soziale Zukunftsfähigkeit » Sozialen Ausgleich schaffen (C3) » Ziel 1: Arbeitslosigkeit insbesondere der Jugend reduzieren

C. Soziale Zukunftsfähigkeit » Sozialen Ausgleich schaffen (C3) » Ziel 2: Bedürftige Haushalte besser versorgen (insbesondere mit Wohnraum)

Ökologische Zukunftsfähigkeit » Ö2 Energie- und Materialeffizienz verbessern » Ziel 2: Kreislaufprozesse und Wiederverwertung stärken

Soziale Zukunftsfähigkeit » S2. Bildung ganzheitlich leben » Ziel 1: Alltagsfähigkeit, Gesellschaftsfähigkeit und Arbeitsfähigkeit fördern

Soziale Zukunftsfähigkeit » S4. Allen die Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen » Ziel 1: Diskriminierung und Barrieren in allen Lebensbereichen erkennen und abbauen

Soziale Zukunftsfähigkeit » S5. Sozialen Ausgleich schaffen » Ziel 2: Menschen in besonderen Lebenslagen unterstützen

Wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit » W2. Leben und Arbeiten verknüpfen » Ziel 1: faire Arbeits-, Einkommens- und Entwicklungsmöglichkeiten schaffen

Wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit » W3. Soziales und ökologisches Wirtschaften fördern » Ziel 1: verantwortungsbewusst produzieren, einkaufen und nutzen

Kulturelle Zukunftsfähigkeit » K2. Werte reflektieren und vermitteln » Ziel 4: nachhaltige Konsum- und Lebensstile entwickeln und fördern

Kulturelle Zukunftsfähigkeit » K3. Vielfalt leben » Ziel 1: Dialog und Miteinander fördern, Perspektiven wechseln