Wohnzimmer im Schwabencenter

Preisträger Zukunftspreis 2016

Im Jahr 2014 haben sich mit der AWO und der Initiative „Lebensraum Schwabencenter“ zufällig gleich zwei Akteure zur selben Zeit vorgenommen, auf die Lebensbedingungen und die Entwicklung im Schwabencenter Einfluss zu nehmen. Denn die aus den 1970er Jahren stammende Wohnanlage und die Umgebung des Schwabencenters gelten nicht mehr als beste Adresse. Zu sehr hat der Betonbau im Laufe der Zeit an Attraktivität verloren, eine Neugestaltung des Areals wäre dringend angebracht. Es zeichnet sich eine überwiegend heterogene soziale Struktur ab und das Leben in den Hochhäusern trägt eher zur Anonymität und Einzelgängertum bei.

So zog die AWO mit dem Projekt Quartiersentwicklung und der Fachberatung für Senioren ins Schwabencenter. Zuvor wurde von der Initiative „Lebensraum Schwabencenter“ (agiert als Fachforum der Lokalen Agenda 21 und ist im Verein Transition Town Augsburg e.V. registriert) zusammen mit Studierenden der Uni Augsburg eine Vision für eine nachhaltige Umwandlung des Schwabencenters hin zu einem Beispiel für lebendiges, urbanes Wohnen und Einkaufen entwickelt. Die Ergebnisse hieraus, die von Prof. Dr. Karin Thieme und Serge Middendorf entwickelt wurden, bildeten die Grundlage für eine Ausstellung im Schwabencenter, in der auch Besucher ihre eigenen Vorstellungen in verschiedenen Beteiligungsformen einbringen konnten. In dem von der Centerleitung als Gemeinschaftsraum und Quartierstreffpunkt für Be- und Anwohner zur Verfügung gestellten Raum beschlossen nun beide Akteure, hier im Sinne synergetischer Prinzipien zu kooperieren – und so öffnete das „Wohnzimmer im Schwabencenter“ seine Pforten.

In gemeinschaftlicher Arbeit und mit tatkräftiger Unterstützung von Anwohnern wurde der ehemalige Ladenraum eingerichtet und im April 2015 das erste Pro-grammheft vorgestellt. Die meisten der Veranstaltungen sind von BewohnerInnen für BewohnerInnen. Inzwischen haben sich einige Handarbeits-, Spiel-, Sing- und Gesprächsgruppen etabliert, dazu „Jung hilft Alt: Die Handy-Computer-Hilfe“, der Elektro-Flüsterer repariert regelmäßig elektrische Kleingeräte, diverse Beratungsangebote der AWO und auch der Weiße Ring haben Sprechstunden im Wohnzimmer. Außerdem steht ein offenes Bücherregal zur Verfügung. Es finden angeleitete Fahrradreparaturen, Sprachangebote für an Italienisch und Spanisch Interessierte sowie Theateraufführungen und hin und wieder Ausstellungen statt.

Ein großer Wunsch für die Zukunft ist ein Gemeinschaftsgarten auf dem Dach der Einkaufspassage. Hier fanden eine erste Begehung, eine Anwohnerbefragung und demnächst erste Workshops statt. Frei nach dem Motto „Gemeinsam ist so viel besser als einsam“ sind Kontakte und Freundschaften entstanden und es wird weiter an Zukunftsvisionen für ein besseres urbanes Leben gearbeitet.

Begründung der Jury Zukunftspreis
„Gemeinsam ist so viel besser als einsam“ – unter diesem Motto hat das „Wohnzimmer im Schwabencenter“ seine Tür geöffnet und lädt die BewohnerInnen in und um das Schwaben-center ein, an dem vielfältigen Angebot teilzunehmen und auch selbst aktiv mitzugestalten. So entstand in gemeinschaftlicher Arbeit von Anwohnern und Förderern aus einem leerstehenden Ladenlokal ein lebendiges „Wohnzimmer“, das zum Vorbei-schauen, Verweilen und Mitmachen einlädt, das Kontakte und Freundschaften entstehen lässt und das eine Vielzahl der unterschiedlichsten Angebote bereit hält, meist von BewohnerInnen für BewohnerInnen. So entstand ein Quartiers-treffpunkt, der der Anonymität und Vereinsamung der Beton-Wohnblöcke aus den 70er Jahren entgegenwirkt und die Heterogenität der sozialen Struktur der Umgebung des Schwabencenters als Chance begreift. Das „Wohnzimmer im Schwabencenter“ ist ein gelungenes Beispiel für lebendiges, urbanes Wohnen durch aktives bürgerschaftliches Engagement. Die Initiatoren des „Wohnzimmers“ leisten hiermit einen wesentlichen Beitrag für eine zukunftsfähige, da lebenswerte, Stadt. | Astrid Zimmermann, Nachhaltigkeitsbeirätin, Werkstatt Solidarische Welt e.V.

Themen: Wohnen, Visionen, Senioren, Kreativität, Generationen, Engagement