Grow Up! Interkultureller Garten Augsburg e.V.

Preisträger Zukunftspreis 2016

Der erste interkulturelle Garten Augsburgs wurde 2009 von der gfi (Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration) auf dem Gelände des Kulturparks West initiiert. Nach Ablauf der Projektförderung durch das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) wurde die Trägerschaft 2012 vom neugegründeten Verein „Grow Up! Interkultureller Garten Augsburg e. V.“ übernommen. Etwa 65 Familien und Einzelpersonen, Menschen mit sicherem Aufenthaltsstatus und Geflüchtete, Reiche und Arme, Gesunde und Kranke, Alte und Junge, Gartenneulinge und passionierte GärtnerInnen gärtnern, feiern, reden und lachen jetzt dort zusammen. 15 Nationen treffen aufeinander, organisieren sich und bilden eine Gemeinschaft, die auf gegenseitiger Hilfe und Toleranz beruht.

Grow Up! ist kein (Zier-)Garten im klassischen Sinn. Die ca. 12 qm großen Einzelparzellen werden mit Gemüse und Blumen biologisch bewirtschaftet und bilden zusammen mit dem umfangreichen Altbestand an Bäumen, den dort lebenden Wildtieren und einigen Bienenvölkern einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität und zur Verbesserung des Mikroklimas in der Stadt. Der Verein sieht sich dabei als Vermittler von Gartenkultur und den dazu gehörigen Kenntnissen und Fähigkeiten und ist offen für Kunst und Kultur. Es vereinen sich dabei Strömungen des traditionellen Gemüseanbaus mit Ideen des City- und Guerilla-Gardenings.

Erfahrungen aus unterschiedlichen Kulturen mischen sich mit Generationen übergreifendem Wissen, durch Workshops und Gemeinschaftsarbeit werden diese Kenntnisse geteilt und weitergegeben. Grow Up! hat sich in den mittlerweile sieben Jahren seiner Existenz zu einem weithin wirksamen und wichtigen integrativen Teil Kriegshabers entwickelt. Viele Menschen finden Stabilität und Ruhe, andere wiederum können Sozialkontakte pflegen. Einige verbessern ihre Sprachkenntnisse, andere bauen Vorurteile ab und manche benötigen die Bewegung an der frischen Luft als Ausgleich zur stressigen Arbeitswelt. Gemeinsam finden Feiern statt, bei denen köstliche internationale Spezialitäten verspeist werden.

Der Vereinsvorstand besteht aus sechs Personen, drei davon mit Migrationshintergrund. Bei der Vergabe von freien Beeten wird auf Interkulturalität geachtet. Die Vorstandsarbeit bei Grow Up! gab den Anstoß zur Gründung des Arbeitskreises Urbane Gärten, einem Netzwerk öffentlicher Gartenprojekte in Augsburg. Seit drei Jahren ist Grow Up! für den AK Urbane Gärten Gastgeber eines großen Frühlingsfestes mit vielen Informationen zu Garten und Natur, einem Gartenflohmarkt und einer Pflanzenbörse. Zahlreiche Menschen kommen jedes Jahr im Mai zum großen Fest, und auch der Tag der offenen Gartentür erfreut sich großer Beliebtheit.

Urban Gardening ist mehr als nur ein Trend. Die steigende Beliebtheit des Gärtnerns schlägt sich in einer langen Warteliste für die Beete nieder. Leider ist die Zukunft des Interkulturellen Gartens Grow Up! über den Sommer 2017 hinaus noch nicht gesichert, da die Fläche zum Kulturpark West gehört. Der Verein hofft, dass dem Garten, der eine so positive Wirkung auf Mensch und Stadt entfaltet, dennoch eine langfristige Zukunft ermöglicht wird.

Begründung der Jury Zukunftspreis
Urbanes Gärtnern erlebt seit einiger Zeit eine Renaissance. Weltweit wird in den Städten an allen möglichen und unmöglichen Orten gebuddelt, werden auf Mauern und Grünstreifen Blumen gepflanzt, auf Dächern und Brachen Karotten und Tomaten geerntet. Auch in Augsburg kehren die Gärten verstärkt zurück in die Stadt. Neben die traditionelle Form des Kleingartens treten damit völlig neue Prägungen wie Guerilla Gardening und mobiles Gärtnern, aber auch kollektiv betriebene gärtnerische Nutzungen wie Gemeinschaftsgärten werden entdeckt. Die Jury zeichnet den interkulturelle Garten Grow Up! beim Kulturpark West dafür aus, sich seit 2009 für diese neue städtische Gartenkultur in Augsburg einzusetzen. Bei Grow Up! werden von Familien einzelne Parzellen jeweils für sich beackert und gepflegt, gemeinsam gärtnerische Projekte wie die Imkerei und Streuobstwiese umgesetzt, mit Schulen zusammengearbeitet, um Kindern und Jugendlichen Natur und Nahrung näher zu bringen, und Feste im Sommer wie im Winter gefeiert. Hinzu kommen Stadtteilaktivitäten, die Beteiligung im AK Urbane Gärten und die Unterstützung anderer Urban Gardening Projekte in Augsburg wie beim Schwabencenter. Der interkulturelle Garten ist damit ein Ort, an dem gesunde Lebensmittel angebaut, Natur wieder erfahrbar gemacht und die Vielfalt an Kulturpflanzen erhalten wird. Grow Up! ist zugleich aber auch ein Ort, an dem die Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und Nationen sowie die interkulturelle Begegnung und Teilhabe gefördert wird. Dieses Engagement ist nachhaltig und kulturell wie sozial zukunftsfähig. Der interkulturelle Garten ist, wie der Kulturpark West insgesamt, nicht dauerhaft gesichert. Die Jury wünscht sich, dass dieses interkulturelle Urban Gardening Projekt weiter besteht, und hofft, mit der Auszeichnung einen Grundstock für einen neuen Standort legen zu können. Martina Wild, Stadträtin

Themen: Biodiversität, Garten, Kriegshaber, Integration, interkulturell, Natur

Grow Up! Interkultureller Garten Augsburg e.V.

Ansprechpartner

Grow Up! Interkultureller Garten Augsburg e.V.
Tine Klink

Sommestr. 38/40, hinter dem Reesetheater, keine Postadresse!
86156 Augsburg
Tel.: 0821/20962292
E-Mail: growup.augsburg@gmail.com

www.growup-augsburg.de

Beitrag zu den Zielen der Zukunftsleitlinien

Wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit » W5. Flächen und Bebauung nachhaltig entwicken und gestalten » Ziel 3: Begegnungs- und Erholungsflächen insbesondere im öffentlichen Raum weiterentwickeln bzw. schaffen

Kulturelle Zukunftsfähigkeit » K1. Augsburg als selbstbewusste Großstadt begreifen » Ziel 2: Stadtteile stärken

Kulturelle Zukunftsfähigkeit » K2. Werte reflektieren und vermitteln » Ziel 4: nachhaltige Konsum- und Lebensstile entwickeln und fördern

Kulturelle Zukunftsfähigkeit » K3. Vielfalt leben » Ziel 1: Dialog und Miteinander fördern, Perspektiven wechseln

Kulturelle Zukunftsfähigkeit » K3. Vielfalt leben » Ziel 2: Herkunft kennenlernen

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