Solidarische Landwirtschaft Augsburg (Solawi)

Preisträger Zukunftspreis 2017

Die Solidarische Landwirtschaft Augsburg (Solawi) steht für eine von Landwirten/Gärtnerinnen und Abnehmerinnen ("Stadtwirten") gemeinsam getragene Landwirtschaft, bei der biologische Vielfalt und Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen und deren Fokus auf Transparenz, Mitverantwortung, Selbstbestimmtheit, „Sich-als-Teil-eines-Organismus-Erleben“ und nachhaltigem Wirtschaften liegt. Dabei will sie die klassische Trennung zwischen „Produzenten“ und „Konsumenten“ aufheben. Anbau, Planung und Vertrieb werden gemeinsam beraten. Die Abnehmer der Lebensmittel helfen freiwillig bei der Ernte mit und sichern den Landwirten eine feste Abnahmemenge zu.

Zusammengefasst hat die Solawi-Augsburg folgende Ziele:

  • hochwertige Qualität des Anbaus, Regionalität und Nachhaltigkeit, garantierte Abnahme der Ernte
  • Unterstützung auf dem Feld, Förderung der kleinbäuerlichen Strukturen, direkte Begegnungen
  • marktunabhängiger Austausch, Übertragung des "Risikos" auf viele Schultern, kein Zwischenhandel, Kooperation statt Konkurrenz

Die Stadtwirte sorgen gemeinsam dafür, dass diese Ziele erreicht werden und sich die Gemeinschaft nicht von Wettbewerbsdenken und Profitorientierung einnehmen lässt, sondern von solidarischer Teilhabe getragen wird. Sie wirken bei der Anbauplanung direkt mit und organisieren selbst den Vertrieb und die Verteilung.

Die Mitglieder sind verantwortungsbewusste Menschen, denen eine vielfältige, regionale und saisonale Ernährung mit gesunden Lebensmitteln, vor allem Gemüse, am Herzen liegt. Das Gemüse und die anderen Lebensmitteln bei der Solawi-Augsburg stammen ausschließlich von Solawi-Landwirten (bio-zertifiziert oder in der Umstellung) aus der Region. Über das Jahr verteilt gibt es das Gemüse, welches der saisonalen Fruchtfolge entspricht. Im Moment nehmen vier Landwirte an der Solawi teil.

Der rechtliche Träger der Solidarischen Landwirtschaft Augsburg ist der als gemeinnützig anerkannte Verein Weitwinkel e.V. (Ökosozialprojekt). Sämtliche Tätigkeiten des Vereins und seiner Mitglieder erfolgen ehrenamtlich. Derzeit sind 90 Stadtwirte an der Solawi beteiligt. In 2017 sollen weitere Menschen dafür begeistert werden, sich bei der Solidarischen Landwirtschaft Augsburg einzubringen.

Begründung der Jury Zukunftspreis
Laudatio der Schülerinnen-Jury der Klasse 9a der Mädchenrealschule St. Ursula im Schuljahr 2016/2017:

Jonathan Safran Foer sagte einmal: „Menschen nehmen sich Zeit für das, was ihnen wich-tig ist. Wenn Leute sagen, sie hätten keine Zeit zum Kochen, dann frage ich: Haben Sie Zeit, um fernzusehen? Oder um auf die Facebook-Seite zu gehen? Zeit umschichten, das heißt Werte umschichten." Wir leben in einer Zeit, die von Hektik geprägt ist. Die Fertiglasagne wird für 1,99 € im Supermarkt gekauft, der Salat ist bereits für 1,79 € gewaschen und in der Plastikschüssel verpackt zum Verzehr bereit. Wir essen Kiwis aus Neuseeland, Avocados aus Mexiko oder Kartoffeln aus Ägypten. Im Herbst gibt es Spargel aus Peru, im Winter genießen wir Erdbeeren aus Israel. Nur selten machen wir uns bewusst, dass die Natur und ihre Men-schen einen hohen Preis für diesen, zum Teil kulinarischen, Luxus zahlen. Vielen Men-schen fehlt vorgeblich die Zeit und das Geld, um selbst zu kochen oder sich um Lebens-mittel aus nachhaltigem Anbau zu bemühen. Umso mehr ist hervorzuheben, dass es Men-schen gibt, die mit der Ordnung der Natur leben und versuchen, den Wert von Lebens-mitteln neu zu begreifen. Diese Gemeinschaft von Jung und Alt, Stadt und Land, die auf gegenseitiger Wertschätzung, Hilfe und Zusammenarbeit beruht und durch ihren ökolo-gischen und nachhaltigen Gedanken besticht, möchten wir auszeichnen. Die solidarische Landwirtschaft Augsburg, kurz SoLaWi genannt, ist ein Gegenentwurf zum Trend unserer Zeit, alles immer zur freien Verfügung zu haben - und das möglichst billig. Bei SoLaWi arbeiten Menschen aus Stadt und Land zusammen, die die gleichen Interessen verfolgen, nämlich frische, vielfältige sowie saisonale und regionale Nah-rungsmittel in bester Qualität anzubauen. Dabei werden kleine Betriebe angemessen für ihre Produkte bezahlt. SoLaWi bedeutet Geben und Nehmen. Landwirte bauen gesundes Obst und Gemüse an, das die Stadtbewohner verzehren. Die Bauern werden beim Anbau der Lebensmittel un-terstützt, denn ihre Abnehmer sind von der Saat bis zur Ernte dabei und helfen ihnen. Durch diese Zusammenarbeit entsteht nicht nur ein starkes Gemeinschaftsgefühl, sondern sie sensibilisiert die Konsumenten für einen verantwortungsvollen Umgang mit Nah-rungsmitteln. Zudem schafft SoLaWi Transparenz und eine Vertrauensbasis zwischen Stadt- und Landwirt. Auch Ernteausfälle und Schäden werden durch die Gemeinschaft abgefedert, sodass der Erzeuger keine Existenzängste haben muss. Außerdem kann der Landwirt mit einem festen Einkommen rechnen und dadurch an Planungssicherheit ge-winnen. Im Gegenzug dazu kann sich der Verbraucher sicher sein, dass alle Produkte nachhaltig und in Bioqualität produziert werden, wodurch der Einsatz von umwelt- und gesundheitsschädlichen Pestiziden vermieden wird. Jeder Einzelne lernt durch harte Arbeit die angebauten Lebensmittel wertzuschätzen. Wei-terhin begreifen die Verbraucher, wie wichtig es ist, Verantwortung für die Natur und die Umwelt zu übernehmen. Der soziale Aspekt von SoLaWi hat uns besonders überzeugt, da jedes Mitglied so viel einbringt, wie es kann. Dies bezieht sich nicht nur auf die Arbeits-leistungen, sondern auch auf die Geldbeiträge, die die Verbraucher für die Lebensmittel entrichten. SoLaWi möchte weitere Mitglieder gewinnen und ihre Angebote erweitern. Als zukünftige Generation, die sich mit den Themen Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Ernährung mehr denn je auseinandersetzen muss und als Schülerinnen einer christlich-katholischen sowie Fairtrade Schule, in der der Schöpfungsgedanke und damit der acht-same Umgang sowie die Verantwortung gegenüber Gottes Geschaffenem eine zentrale Rolle in unserer Schulgemeinschaft einnimmt, wollen wir dieses Projekt würdigen. Für uns stellt SoLaWi eine große Bereicherung dar und wir hoffen deshalb, dass sich im-mer mehr Menschen dieser Gemeinschaft anschließen und ihre Werte umschichten. Aufgrund ihres großen Engagements wollen wir SoLaWi Augsburg den Sonderpreis der Schülerinnen-Jury 2017 überreichen.

Themen: Ernährung, Landwirtschaft, nachhaltiges Wirtschaften, unternehmerische Verantwortung

Solidarische Landwirtschaft Augsburg (Solawi)

Ansprechpartner

Solidarische Landwirtschaft Augsburg, Trägerverein: Weitwinkel e.V.
c/o Bruno Marcon

Matthias-Claudius-Str. 7d
86161 Augsburg
E-Mail: info@solidarische-landwirtschaft-augsburg.de

www.solidarische-landwirtschaft-augsburg.de

Beitrag zu den Zielen der Zukunftsleitlinien

Ökologische Zukunftsfähigkeit » A5. Ökologisch mobil sein für alle ermöglichen » Ziel 1: kurze Wege ermöglichen

Soziale Zukunftsfähigkeit » B5. Sozialen Ausgleich schaffen » Ziel 4: Solidarität und Subsidiarität fördern

Ökomonische Zukunftsfähigkeit » C3. Soziales und ökologisches Wirtschaften fördern » Ziel 1: verantwortungsbewusst produzieren, einkaufen und nutzen

Ökomonische Zukunftsfähigkeit » C3. Soziales und ökologisches Wirtschaften fördern » Ziel 2: Land- und Forstwirtschaft sichern und unter besonderer Berücksichtigung von Ökologie und Tierwohl weiterentwickeln

Kulturelle Zukunftsfähigkeit » D2. Werte reflektieren und vermitteln » Ziel 4: nachhaltige Konsum- und Lebensstile entwickeln und fördern

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